Partnerschaft und Sex nach Krebs

Wie finden wir wieder zueinander?

Partnerschaft und Sex sollten zum Leben gehören wie Essen und Bewegung. Nach Krebs ernähren und bewegen wir uns oft anders als vorher. Auch die Partnerschaft und der Sex verändern sich häufig; u.a. wegen:

  • emotionaler Erschütterung
  • körperlichen Veränderungen
  • Erschöpfung und Lustlosigkeit
  • unerfülltem Kinderwunsch
  • geringerem SelbstwertgefühlSiang Be Paar & Sexualtherapeut

Am 26. November 2016 diskutierten wir im Rahmen unserer Selbsthilfe mit dem Paar- & Sexualtherapeuten Siang Be über mögliche Wege, wie wir körperlich & emotional wieder zueinander finden können.

Eingangs erläuterte Siang Be das Phänomen jeder langen Partnerschaft: die Liebe nimmt zu, der Sex nimmt ab. „In der Partnerschaft lernen wir uns immer besser kennen und auch lieben, sexuell entfernen wir uns jedoch immer weiter voneinander ganz unabhängig von Krebs“ so Siang Be. Mit der Metapher der Gravitation „What goes up must come down“ (Isaac Newton) veranschaulichte er dieses Prinzip.

Nun sei es an uns, aufzuheben, was auf den Boden gefallen sei! Und dies bedeute vor allem: Bedürfnisse klären: Uns einander sexuellen Fantasien zu offenbaren, selbst wenn der/die andere sie ablehnen könnte. Jedes Bedürfnis hätte seine Berechtigung. Man könne darüber verhandeln, so wie wir darüber verhandeln, wer wann den Müll runter trägt.

„Was wollt Ihr mit Sex erreichen?“ fragte Siang Be und nannte dabei drei mögliche Antworten:

  • Kinder zeugen
  • Lust empfinden
  • Beziehung stärken.

Der Wunsch, Lust zu empfinden, verband uns alle. Dabei herrscht heute eine allgemeine Lustlosigkeit – ganz unabhängig von Krebs. Das neue Stichwort lautet: Sexout (von Wilhelm Schmid). Sex bedeutet aber nicht nur Lust sondern auch Kommunikation. „Sex ist die körperliche Sprache der Liebe auch ohne Lust“ so Siang Be „Kommunikation mit dem Körper in der Beziehung ist Sex“. Statt lange darauf zu warten, dass beide Lust haben, sollten wir uns körperlich nähern, um unsere Beziehung zu stärken. Die Lust käme dann von selbst, wie der Hunger beim Essen.

Folgende Hausaufgabe gab Siang Be uns mit auf den Weg:

„Stellt Euch vor, Ihr dürft sexuell ganz egoistisch sein und müsstet auf Eure/n Partner/in keine Rücksicht nehmen. Welchen Ablauf einer für Eure Bedürfnisse idealen sexuellen Begegnung würdet Ihr am Liebsten in die Tat umsetzen? Nehmt Euch Zeit und sorgt dafür, dass Ihr ungestört seid. Scheibt auf ein Blatt Papier, was Ihr mit wem in welcher Situation am liebsten tun würdet. Notiert, was genau für Euch erotisch am befriedigsten, am stimmigsten wäre und was Eure individuelle persönliche Art, Mann bzw. Frau zu sein, am besten zur Geltung brächte. Es geht in erster Linie nicht um Eure Gefühle, sondern um Eure Handlungen.“ (nach Ulrich Clement)

Das war ein sehr spannender und berührender Abend. Vielen Dank an Siang Be und an alle Teilnehmenden. Schön, dass wir uns auch über so intime Themen offen austauschen können. Fortsetzung folgt im nächsten Jahr!

Buchempfehlungen zum Thema:

Christoph Josef Ahlers, Himmel auf Erden und Hölle im Kopf – Was Sexualität für uns bedeutet

Ulrich Clement, Guter Sex trotz Liebe, Wege aus der verkehrsberuhigten Zone

 

Mehr über Siang Be erfahrt ihr hier

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