The show must go on: Theater als Therapie bei Krebs

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Ein theaterpädagogisches Projekt für Krebserkrankte 

Als Krebspatient*in fühlt man sich manchmal wie im falschen Film. Oder wie auf einer Theaterbühne … Eine neue Berliner Selbsthilfegruppe tauscht Erfahrungen, Gefühle und Gedanken aus und bringt sie dann gemeinsam auf die Bühne. Das Projekt wird vom Charité Comprehensive Cancer Center unterstützt und von der AOK finanziert und von der SEKIS Tempelhof-Schöneberg unterstützt. Wolltet ihr nicht schon immer auf die Bühne?! 

In diesem Gastbeitrag stellt die leitende Theaterpädagogin, die gern anonym bleiben möchte, das neue Projekt vor. 

Flow durch Theater

Theater, also Kunst  da stimme ich dem Beitrag von Caroline Kambach zu  ist die „beste Medizin“. So denke ich Theaterpädagogin und seit fünf Jahren an Krebs erkrankt auch. Theater zu spielen war für mich schon als Jugendliche die Möglichkeit, mich auszudrücken, Gefühle zu äußern und in den „Flow“ zu kommen: Momente intensiv zu erleben, die Welt drum herum mal zu vergessen und jemand anderer zu sein. Ganz einfach: mich glücklich zu machen und Spaß zu haben.

Theaterspielen ist für mich auch ein Ventil, mich mit meiner veränderten Lebenswirklichkeit durch meine Krankheit, dem veränderten Körper und meinen Gefühlen kreativ und ganzheitlich auseinanderzusetzen, indem ich mir durchs Theaterspielen dieses ganze Krankheitserleben auch mal mit Distanz und Humor anschaue.

Theaterpädagogische Selbsthilfegruppe für Krebskranke

Theaterpädagogische Selbsthilfegruppe für Krebskranke

Alle diese Überlegungen führten zu meiner Idee und schließlich zum Konzept eines Theaterprojektes, das ich im Laufe dieses Jahres mit 1015 Krebsbetroffenen umsetzen möchte. Ausgangspunkt des Projekts sind Fragen wie „Warum ich? Was ist Glück? Wie will ich jetzt leben? Wer ist mir nah und wer kann damit nicht umgehen? Wie kann ich klar kommen mit Rückschlägen, Hoffnungen und Prognosen?“

Stigmatisierung und Hemmungen abbauen

Ich denke, Krebskranke sehen die Welt anders und Nicht-Krebskranke können von uns viel lernen. Vielleicht fängt der eine oder andere auch an, sich die wichtigsten Fragen zu stellen, nämlich „Lebe ich das Leben, das ich wollte? Was ist mir wirklich wichtig?“ Wir Krebskranken sollten uns mitteilen, damit es weniger Stigmatisierung gibt und weniger Hemmungen, mit uns umzugehen, wenn die Krankheit uns im persönlichen Umfeld begegnet.  Das ist das Ziel des Theaterprojekts.

Der Ansatz der biographischen Stückentwicklung, den ich als Arbeitsweise gewählt habe, basiert auf den persönlichen Erfahrungen, Erlebnissen und Gedanken aller Teilnehmenden. So entsteht Schritt für Schritt ein Stück aus selbst geschriebenen Texten, improvisierten Szenen und Choreographien. Durch einen Regisseur von außen, der im Team mit mir die Gruppe anleitet, wird in der zweiten Arbeitsphase ein künstlerischer Anspruch angestrebt. Außerdem werden dann noch andere Gestaltungsmittel wie Bühnenbild, Kostüm, Musik und Licht miteinbezogen.

Keine Angst – wir fangen klein an. Eine vorherige Theatererfahrung ist nicht nötig, individuelle krankheitsbedingte Einschränkungen und die Privatheit der Einzelnen werden selbstverständlich respektiert.

Termine: Ab sofort fortlaufender Einstieg nach Anmeldung möglich, regelmäßig samstags von 9.30 bis 12.30 Uhr (ausgenommen Schulferien).
Die Aufführungen sind für Dezember 2018 geplant.

Ort: Nachbarschaftsheim Schöneberg e.V., Fregestr. 53, 12161 Berlin, 1. Stock.

Kontakt/Anmeldung: Selbsthilfetreffpunkt Tempelhof-Schöneberg    (030) 859951-330
oder per Mail an: theater.selbsthilfe[@]t-online.de

Flyer: Theaterpädagogische Selbsthilfegruppe

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