You’ll never walk alone!

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Wie helfen Walking und Achtsamkeit nach Brustkrebs?

An der Charité Berlin wird zurzeit eine Studie zur Wirksamkeit von Walking und Achtsamkeitsübungen nach der Brustkrebstherapie durchgeführt.  Studienteilnehmerinnen erhalten nach dem Zufallsprinzip eine kostenlose Teilnahme entweder an einem wöchentlichen Walking Training von etwa 90 Minuten oder einem kombinierten Training von Walking und Achtsamkeitsübungen. Welche Erkenntnisse versprechen sich die Wissenschaftler*innen? Und was haben Brustkrebspatientinnen von einer Teilnahme? Wir sprachen mit der Studienkoordinatorin, Frau Dr. med. Miram Ortiz.

Worum geht es in Ihrer Studie?

Die Studie Achtsamkeit und Walking bei Brustkrebs ist ein Forschungsprojekt aus dem Bereich Integrative Medizin am Institut für Sozialmedizin, Epidemiologie und Gesundheitsökonomie in Kooperation mit dem Brustzentrum der Charité Universitätsmedizin Berlin.

Dr. med. Miriam Ortiz

Dr. med. Miriam Ortiz, (c) Andrea Katheder

Ziel der Studie ist es, die Wirkung einer Kombination aus Gehen und Achtsamkeitsübungen („Mindful Walking“) gegenüber einem moderaten Gehen („Walking“) bei Frauen mit Brustkrebs zu untersuchen. Die Teilnehmerinnen der Studie werden per Zufallsentscheidung einer der beiden Gruppen zugeteilt und erhalten kostenlos einen Kurs über 8 Wochen Mindful Walking bzw. Walking. Anhand von Fragebögen werden im Verlauf der Studie Auswirkungen auf Stressbelastung, Lebensqualität, Stimmung, Schmerzen und chronische Müdigkeit und Erschöpfung untersucht und ausgewertet.

 

Warum meinen Sie, dass Achtsamkeit und Walking zur Verbesserung der Lebensqualität von Brustkrebsüberlebenden beitragen können?

Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Brustkrebsüberlebende unter diagnose- und therapiebedingten Nebenwirkungen leiden, die zum Teil weit über den Abschluss der primären Therapie (OP, Bestrahlung, Chemotherapie) hinaus anhalten. Bisher gibt es diesbezüglich wenig wirksame Therapieansätze in der Nachsorge der Patientinnen. Sowohl Gehen als auch Achtsamkeit wurden getrennt voneinander in Studien mit Brustkrebspatientinnen untersucht. Dabei zeigten sich positive Effekte auf beispielsweise Lebens- und Schlafqualität, Stressbelastung, chronische Erschöpfung, Angst und Depressionen. Die Kombination aus Achtsamkeitsmeditation und Gehen ist jedoch bei Brustkrebspatientinnen bislang nicht untersucht worden.

Warum werden nur Brustkrebsüberlebende gesucht? Was ist mit Überlebenden anderer Krebsformen?

Überlebende anderer Krebserkrankungen leiden teilweise unter ähnlichen Folgen der Erkrankung wie Brustkrebsüberlebende, allerdings gibt es auch Unterschiede. Um die Studienteilnehmerinnen besser vergleichen zu können, haben wir uns in dieser Pilotstudie zunächst auf Brustkrebsbetroffene beschränkt.

Krebspatientinnen haben eh viele Termine, auch nach Abschluss der Therapie. Die meisten wollen nicht noch mehr Zeit in Krankenhäusern verbringen. Warum sollten Frauen mit Brustkrebs trotzdem an Ihrer Studie teilnehmen?

Die Teilnahme an unserer Studie bietet Brustkrebspatientinnen die Möglichkeit unabhängig von Krankenhäusern und Arztpraxen, etwas für sich zu tun, mit ihrer Krankheit und etwaigen Nebenwirkungen umzugehen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Dabei sollen speziell Frauen angesprochen werden, die nach Abschluss der primären Therapien den Wiedereinstieg in den Alltag suchen und zwischendurch immer wieder Atempausen brauchen. Das, was die Teilnehmerinnen während der Kurse erlernen, ist bewusst so gestaltet, dass es im Alltag übernommen und angewendet werden kann.

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Die Kurse finden zwar Charité nah statt, haben jedoch keinen direkten Bezug zum klassischen Setting der Erkrankung Krankenhäuser, Ärztinnen und Ärzte, volle Wartezimmer. Vielmehr soll fernab von alldem die Möglichkeit bestehen, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen und gemeinsam neue Strategien zur Entspannung und Alltagsbewältigung zu erlernen. Dabei steht nicht die Erkrankung im Mittelpunkt, sondern die Teilnehmerin mit ihren individuellen Bedürfnissen.

Wann finden die Termine statt? Tagsüber oder auch abends?

Das ist von Kursdurchlauf zu Kursdurchlauf verschieden. Da einige Teilnehmerinnen berufstätig sind, versuchen wir es zu ermöglichen, auch abends Kurse stattfinden zu lassen, leider gelingt das nicht immer.

Wie groß sind die Gruppen?

Wir haben eher kleine Gruppen für die Kurse vorgesehen. Das ermöglicht den Trainerinnen ein individualisiertes Vorgehen. Bisher gab es etwa 5 Teilnehmerinnen pro Gruppe.

Was passiert mit den gesammelten Daten? Wie ist der Datenschutz gewährt?

Die Daten werden anonymisiert erhoben, sodass kein Rückschluss auf die Kursteilnehmerin möglich ist. Die Durchführung der Studie und die Auswertung der Daten unterliegen den Datenschutzrichtlinien der Charité Universitätsmedizin Berlin. Die Studie wurde der Ethikkommission und den Datenschutzbeauftragten der Charité vorgelegt und bewilligt.

Wie viele Teilnehmerinnen brauchen Sie noch?

Wir planen, insgesamt 60 bis 80 Patientinnen in die Studie aufzunehmen. Bisher haben etwa die Hälfte der Patientinnen.

Wie kann man sich anmelden — und bis wann?

Bei Interesse können sich Betroffene gerne in unserem Studiensekretariat melden, entweder telefonisch unter Tel. 030 450 529 262 oder per Email unter nhk[@]charite.de.

Da die Studie noch das gesamte Jahr 2018 fortgeführt, ist eine Teilnahme bis Ende 2018 möglich.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Dr. Ortiz! Wir wünschen der Studie viel Erfolg — und allen Teilnehmenden schöne, erholsame Stunden. 

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