Meditieren mit Fatigue – Der Beginn

Dank Meditation kein Krankenhauskoller

Adele war die einzige, die aussprach, was vermutlich alle dachten, wenn sie mich in meinem bunter Farbkreisel kleinen Krankenhauszimmer besuchten, in dem ich 13 Monate lang Chemotherapie erhielt, um die Leukämie zu bekämpfen: „Das ist ja schrecklich! Wie hältst du das hier aus?“ Adele trat auch gleich unerschrocken in Aktion: Sie massierte meinen nackten Rücken, was zu komischen Blicken der reinkommenden Schwestern führte, und schenkte mir eine CD mit Engel Meditationen. „An deiner Stelle würde ich den ganzen Tag nur meditieren, um die Situation zu ertragen“, so Adele.

Adele hatte etwas magisch-mystisches an sich. Ihr Lebensziel war, als Heilerin zu arbeiten. Gerade Dank der Schulmedizin dem Tod von der Schippe gesprungen, stand ich der Alternativmedizin eher skeptisch gegenüber. Vor allem esoterischen Engeln wie sie auf der CD zu hören waren… Da ich Adele sehr vertraute und ich nichts unversucht lassen wollte, hörte ich mir ihre mitgebrachte CD noch am gleichen Abend an. Ich spürte tatsächlich die beschriebene Wärme durch meinen Körper wandern und sah das Licht in bunten Farben, das Liebe symbolisieren sollte. Ich fühlte mich geborgen und beschützt.

Tatsächlich half mir die Meditation sehr. Ich machte es zu meinem abendlichen Ritual, als letzte Handlung des Tages, die CD mit den Engeln zuhören. So konnte ich jeden Abend problemlos einschlafen, trotz meiner ständig laufenden Infusion, die mehrmals die Nacht „Tropfalarm“ auslöste, und dem eindringlichen Piepen des „Tropfalarms“ aus den anderen Zimmern.

Ich verglich mein kleines Zimmer oft mit einer Gefängniszelle, da ich es je nach Anzahl der Leukozyten wochenlang nicht verlassen durfte. Dass ich keinen Zimmerkoller bekam und – meist – guten Mutes blieb, lag an der großartigen Unterstützung von meiner Familie und meinem Freundeskreis, aber auch an der Meditation. Die Meditation war mein innerer Anker. Mit ihrer Hilfe begab ich mich in andere Sphären und konnte meine Gedanken und Gefühle positiv beeinflussen.

Wenn mein – schon sehr alter – CD-Player die CD nicht spielen wollte oder ich die CD nicht fand, fühlte ich mich wie eine Drogenabhängige ohne ihren Stoff. Ich wurde leicht panisch, wusste nicht, wie ich den Tag ohne zu meditieren beenden sollte. Irgendwann kam ich dann auf die Idee, mir die CD auf den Laptop zu laden. Das beruhigte mich – jetzt würde alles gut werden.

Ich bin Adele sehr dankbar, dass sie den Mut hatte, die Wahrheit auszusprechen und mir empfahl, zu meditieren. Zwei Jahre später als ich die Fatigue (Erschöpfungssyndrom) entwickelte, half mir wieder die Meditation, die Situation zu akzeptieren und einen neuen Weg zu finden. Allerdings meditiere ich seitdem nicht mehr mit den Engeln sondern übe mich in der Praxis der Achtsamkeit von Jon Kabat-Zinn. (Fortsetzung folgt)

Interessante Links:

Beitrag auf arte: Die heilsame Kraft der Meditation

Artikel im Magazin Moment by Moment: Gute Vorsätze – und dann?

 

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