Selbstfürsorge – ein Dialog zwischen Uta und Sabine

Wie schaffe ich mir im Alltag Raum für mich und meine Bedürfnisse?

In den Wochen vor Weihnachten denken wir viel darüber nach, womit wir anderen eine Freude machen können. Genauso oft sollten wir uns fragen, womit wir uns selbst eine Freude machen könnten, was uns selbst guttun würde. Das nennt man dann Selbstfürsorge!

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Uta moderiert am Mittwoch, 5. Dezember 2018 einen Abend zu genau diesem Thema in unserer Selbsthilfe. Sie schenkt uns Inspiration, wie wir im Alltag Raum für uns und unsere Bedürfnisse schaffen können.

Als Sabine per Whatsapp schrieb, dass sie nicht zu dem Abend kommen kann, entspannte sich ein Dialog über die Selbstfürsorge, den wir mit euch teilen möchten.

Sabine: Liebe Uta, aus reiner Selbstfürsorge muss ich für morgen leider absagen. Ich kann nicht zu unserem Treffen kommen. Dabei hätte ich dich und die Anderen sehr gern gesehen. Unsere Treffen tun mir immer sehr gut. Der Austausch mit den Anderen, die Verbundenheit untereinander….

Uta: Liebe Sabine, schade, dass du nicht kommen kannst! Du bist für mich ein Paradebeispiel für funktionierende Selbstfürsorge.

S: Aha?! Freut mich. Aber wieso denkst du das?

U: Weil es dir gelingt, achtsam mit deiner Energie umzugehen. Du sagst immer so schön, die Energie sei deine Währung mit der du gut haushalten müsstest, um nicht ins Minus zu kommen. Wie gelingt dir das?

S: Danke! Ich bin durch eine harte Schule gegangen, um Selbstfürsorge zu lernen… Da ich trotz Fatigue aktiv bleiben will, musste ich lernen, was meinem Körper und Geist gut tut: Also zum Beispiel morgens warme Hirse mit Himbeeren essen, an der frischen Luft spazieren gehen, immer wieder Pausen machen und meditieren, wenn ich merke, dass meine Kraft und Konzentration nachlassen…

U: Wahrscheinlich fällt dir das auch nicht immer so leicht, oder?

S: Manchmal verzweifle ich natürlich, weil ich gern mehr machen würde, mein Körper mir aber immer wieder Grenzen setzt… Tatsächlich weiß ich aber, dass es mir ohne das viele Kochen, Meditieren und bewusst leben viel schlechter gehen würde.

U: Mich beeindruckt besonders, dass du deine Bedürfnisse klar kommunizieren kannst, zum Beispiel nach langen Vorstandssitzungen, Vorträgen … Man braucht schon viel Klarheit und positive Aggression, um das so aussprechen zu können.

S: Positive Aggression? Was verstehst du darunter?

U: Handlungsenergie und Mut zur Abgrenzung.

S: Ja, zum Glück konnte ich meine Bedürfnisse schon immer gut erkennen und habe mich getraut, sie aussprechen. Eine Freundin, die im Studium am liebsten die ganze Nacht durchgequatscht hätte, habe ich oft rausgeschmissen… Das hat sie mir vor kurzem noch lachend erzählt. Was machst du denn, damit es dir gut geht?

U: Ich nehme mir viel Zeit zur Reflexion und Ausrichtung.

S: Was meinst du damit?

U: Ich habe viele Rituale in meinen Tag integriert, damit ich die Selbstfürsorge nicht vergesse, das hilft mir. Ich prüfe auch ständig, welche Dinge mir guttun oder mich belasten und sortiere dann entsprechend aus. Das mache ich jetzt viel radikaler als vor dem Krebs.

S: Und sonst?

U: Ich starte morgens mit einer kurzen Dankbarkeitsmediation. Nur drei Minuten, die mir viel Energie für den Tag schenken.

S: Wenn ich mich nicht gut fühle, überlege ich mir auch, wem ich wofür dankbar bin oder worüber ich mich zuletzt gefreut habe. Das sind scheinbar kleine Dinge: Wenn mich meine Neffen per Facetime fragen, wann ich sie wieder besuchen komme, wenn ich etwas besonders Leckeres für mich gekocht habe, oder wenn ich mit meinem Patenkind in der Oper war.

U: Darum geht es mir auch bei unserem Treffen in der Selbsthilfe: Ich möchte alle für die kleinen Chancen im Alltag sensibilisieren und so zu mehr Selbstfürsorge inspirieren. Ich bringe ein paar Bücher mit, Kalender und Journals, die auch im Alltag helfen, sich immer wieder daran zu erinnern, gut zu sich zu sein.

Außerdem möchte ich einen kleinen Thinktank aufbauen: Erfahrungen und Herausforderungen von allen sammeln und schauen, wem was geholfen hat.

S: Hört sich spannend an. Schade, dass ich nicht kommen kann. Berichte mir und uns allen dann, wie es gelaufen ist.

U: Klar, mache ich. Weißt du, wir sollten uns immer wieder vor Augen halten: Selbstfürsorge ist für alle Menschen wichtig. Nicht nur für Krebsbetroffene… Unsere Krankheitserfahrung erhöht die Notwendigkeit, dass wir uns um uns selbst kümmern. Du sprachst von einer harten Schule, aber durch diese Erfahrung sind wir auch viel motivierter, uns um uns selbst zu kümmern. Das haben wir gelernt.

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