Introducing: U30 Krebsselbsthilfe für junge Menschen

Ein Interview mit Otto, Gründungsmitglied unserer U30-Gruppe

U30 & Krebs

Otto, Caro & Arndt

Mit 21 Jahren war Otto der Jüngste in der Runde als er im Mai das erste Mal zu unserem Stammtisch kam– das hat ihn aber nicht abgeschreckt! Er ist schnell unserem Verein beigetreten und hat gleich bei mehreren Veranstaltungen den Infostand betreut. Irgendwann erwähnte er, dass er gerne auch für junge Erwachsene mit Krebs eine Möglichkeit der Unterstützung schaffen wollte. Als er Arndt kennenlernte, entwickelten beide die Idee, eine eigene Gruppe für junge Erwachsene mit Krebs zu gründen. „Ich sah die Möglichkeit und ergriff sie“ sagt Otto. „Ich schlug Arndt vor, dass wir mit Leben nach Krebs! zusammenarbeiten, um die Idee umzusetzen.“ Wir haben Otto gefragt, wie es danach weiterging.

Leben nach Krebs! e.V. (LnK!): Warum wolltet ihr eine Gruppe spezifisch für junge Erwachsene mit Krebs zwischen 18 und 30 Jahren gründen?

Otto: Junge Erwachsene trifft eine Krebsdiagnose in einer Zeit, wo alles noch im Fluss ist. Sie haben weder im Beruf noch im Privatleben belastbare Strukturen, auf die sie dauerhaft zurückgreifen können. Das betrifft zum Beispiel die Bereiche Ausbildung/Studium, Eltern, Wohnung, Freundeskreis, Job, Finanzen und Kinderwunsch.

Viele waren schon selbstständig und unabhängig von den Eltern. Nun können sie ihre Wohnung und ihr Leben nicht mehr finanzieren und sind wieder von der Familie abhängig.

Einige werden direkt aus Studium oder Ausbildung gerissen. Im Freundeskreis beobachtet man außerdem, dass alle ihr Leben einfach weiterleben, während man selbst die Therapie bewältigen bzw. sich mit den Folgen der Erkrankung (z.B. Fatigue) herumschlagen muss. Die Freunde haben wenig Verständnis dafür, dass man ständig erschöpft ist und nicht immer dem Alter entsprechend mithalten kann: Party machen, lernen, in den Tag hinein leben…

LnK!: Und während dieser Zeit werden die Weichen für das ganze weitere Leben gestellt.

Otto: Genau. Ein Problem ist zum Beispiel der spätere Kinderwunsch. Als Folge vieler Chemotherapien kann man oft keine Kinder mehr zeugen, ist unfruchtbar. Vor Beginn der Therapie soll man sich dann entscheiden, ob man Spermien oder Eizellen einfrieren lassen will. Wer weiß schon mit 18, ob er oder sie Kinder haben will? Die Frage bekommt man aber gestellt. Man muss sich von heute auf morgen entscheiden, ob man die Chance haben möchte, später Kinder zu bekommen oder nicht. Bevor man überhaupt darüber nachdenkt, muss man erst einmal über die entsprechenden Möglichkeiten informiert werden. Aber nicht jeder Arzt hat auf dem Schirm, dass die Krebstherapien Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit haben. Einigen jungen Erwachsenen wird somit die Chance genommen, später Kinder zu bekommen.

LnK!: Was hat dir bei der Bewältigung der Krankheit und den Herausforderungen geholfen?

Otto: Mir selbst haben meine Freunde, die Familie, die Reha und mein Psychoonkologe bei der Bewältigung meiner Krankheit und deren Auswirkungen sehr geholfen. Die Freunde, mit denen ich über alles reden und mit denen ich auch mal feiern gehen konnte, um mich so vom Krebsalltag abzulenken. Die Familie, die mich stets unterstützt hat bei dem ganzen Papierkram der deutschen Bürokratie, den Arztbesuchen und bei der Bewältigung des Alltages. Die Reha, indem sie mir wieder zu neuer Kraft verhalf sowie die guten Freunde, die ich dort kennen gelernt habe. Mit ihnen unternehme ich heute noch viel.

German Cancer Survivors Day im Juni 2018

LnK!: Es hilft, sich mit Menschen austauschen zu können, die im gleichen Boot sitzen.

Otto: So ist es. Und deswegen war es uns so wichtig, eine Gruppe für junge Krebsbetroffene in Berlin/Brandenburg zu gründen. Im Juni 2018 legten wir den Grundstein für die U30 Gruppe: der Traum von einer eigenen Gruppe für junge Erwachsene mit Krebs wurde in Zusammenarbeit mit Leben nach Krebs! e.V. wahr. An diesem Punkt kam auch Caro dazu. So war nun die Gruppe und das Organisationsteam der U30 Krebsselbsthilfe für junge Menschen geschaffen.

LnK!: Welche Angebote macht ihr den Mitgliedern eurer U30 Gruppe?

Otto: Wir bieten den Leuten, die unsere Gruppe besuchen, einen Ort der Sicherheit, wo man sich unter Gleichgesinnten über alles austauschen und Unterstützung finden kann. Gerne geben wir auch Informationen weiter, insofern es unsere Erfahrung zulässt. Außerdem werden wir mit der Hilfe von Leben nach Krebs! e.V. gelegentlich Seminare zu bestimmten Themen anbieten. Zum Beispiel: Kinderwunsch, Wiedereinstieg ins Arbeitsleben, Kommunikation der eingeschränkten Belastbarkeit und Fatigue nach Krebs.

LnK!: Was wollt ihr mit der U30-Gruppe erreichen?

Otto: Wir wollen eine unterstützende Gemeinschaft für und mit Betroffenen (U30) aufbauen. Dabei legen wir besonderen Wert auf den Austausch von Informationen und gegenseitige emotionale Unterstützung. Wir wollen auch auf die Herausforderungen einer Erkrankung im jungen Alter aufmerksam machen – zum Beispiel wollen wir Berufsschulen, Universitäten und Arbeitgeber für unsere Anliegen sensibilisieren.

Wir treffen uns einmal im Monat im Seminarraum des Charité Comprehensive Cancer Centers in der Invalidenstraße – neue Gruppenmitglieder sind jederzeit herzlich willkommen!

Wir wünschen Otto, Arndt und Caro mit der U30-Gruppe viel Erfolg.

Das nächste Treffen findet statt am 17. Januar 2019 von 18 bis 20 Uhr im Seminarraum des CCCC (2. Stock), Invalidenstraße 80, Berlin-Mitte. Rollstuhlfahrer haben Zugang über Virchowweg 23.

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