Kreativität hilft in Krisensituationen – Euch auch?

Kann Kreativität in Krisensituationen helfen? Wir finden, ja. Und wollen unter dem Motto „Kreativ durch die Krise“ in Zukunft regelmäßig zeigen, wie. Im letzten Beitrag berichtete unsere Autorin zum Auftakt dieser Reihe von unserer kreativen Schreibreise. Der heutige Beitrag fasst die Idee der Themenreihe zusammen und ruft zum Mitmachen auf.

Kann man sich aus einer Krise, wie sie eine Krebserkrankung oder die Corona-Pandemie darstellt, schreiben, singen oder malen; sie künstlerisch gar bewältigen? So einfach wie es klingt, ist es natürlich nicht, aber Kreativität kann in jedem Fall dabei helfen, einschneidende Erlebnisse besser zu meistern.

Kreativität als Einfallsreichtum

Gemeint sind dabei alle vorstellbaren Dimensionen von Kreativität, zum Beispiel auch Einfallsreichtum. Not macht ja bekanntlich erfinderisch und schon hier ist oftmals unsere Kreativität gefragt, wenn es ganz praktisch darum geht, zu improvisieren und das Beste aus bestimmten Situationen zu machen. Wenn wir uns während einer Chemotherapie haarlos zu nackt vorkommen, finden wir mithilfe von Perücken, Tüchern, Mützen, Augenbrauenstiften und künstlichen Wimpern Möglichkeiten, uns trotzdem wohlzufühlen. Und wenn uns Corona die persönlichen Kontakte verbietet, stecken wir nicht den Kopf in den Sand, sondern suchen nach neuen Wegen der Begegnung und treffen uns alternativ eben online; machen sogar zusammen online Sport.

Photo by Alice Dietrich on Unsplash

Kreativität spricht unsere emotionale Ebene an

Kreativität – als persönlicher Ausdruck verstanden – spricht aber auch noch eine tiefere emotionale Ebene an, die in oder nach Krisensituationen eine ebenso wichtige Rolle spielt. Oft reagieren wir in der Gefahrensituation rational und effektiv, funktionieren erst einmal und stehen etwas durch, bevor wir viel später merken, wieviel Kraft uns das gekostet hat und dass der Schreck manchmal tiefer sitzt, als wir es erwartet haben. Diese seelische und oft auch körperliche Erschöpfung kann sich dann, meist zu unserer eigenen Überraschung, zeitversetzt zeigen.

Viele Krebspatient*innen kennen dieses Phänomen, wenn sich beispielsweise durch eine Fatigue-Symptomatik (manchmal erst lange) nach Abschluss der Therapie zeigt, wie kräftezehrend das Erlebte war. Auch andere, viel spätere Ereignisse, wie die Erkrankung eines nahestehenden Menschen, können die Erinnerung an unser eigenes Schicksal wiederaufleben lassen und uns retraumatisieren. Das Umfeld versteht dann oftmals nicht, „was nun los ist“, wo der „Krebs doch weg“ ist. Aber die Seele hat ihre eigenen Verwundungen, die auch auf ihre eigene Weise nach Heilung und Erlösung sucht. Für viele Betroffene ist es deshalb, auch wenn die Krebstherapie beendet ist, trotzdem „nicht vorbei“ und sie suchen zum Beispiel bei Selbsthilfegruppen und Psychotherapeut*innen nach Anschluss und Verständnis für ihre Situation.

Kreativgruppen bieten Möglichkeiten und Anschluss

Viele entdecken auf ihrer Suche auch die positive Wirkung von Kreativtherapien und -gruppen. Vom gemeinsamen Singen oder Tanzen, über das Schreiben oder Malen und Gestalten bis hin zum Theaterspielen – die Angebote in diesem Bereich haben in den vergangenen Jahren sowohl in den Akut- und Rehakliniken als auch ambulant spürbar zugenommen und finden immer größeren Anklang. Das Besondere daran: Während wir uns kreativ ausdrücken, erreichen wir schneller eine Ebene jenseits des Rationalen, die oft mehr von uns weiß, als unser Bewusstsein es zulässt. Auf wundersame Weise haben wir plötzlich ein Bild gestaltet, das mehr über uns sagt als tausend Worte. Kreative Ausdrucksformen sind deshalb besonders gut geeignet, um Erfahrungen, aufgestaute Gefühle oder Wünsche nach traumatischen Erlebnissen besser spüren und ausdrücken zu können.

Kreativität hilft, mit sich selbst in Kontakt zu treten

Aus Heikes Backstube (c) Leben nach Krebs! e.V.

Aus Heikes Backstube (c) Leben nach Krebs! e.V.

Wie persönlicher Ausdruck auch in der Akutsituation helfen kann, kennen die meisten vom Tagebuchschreiben. Wenn man, etwa zu Beginn einer Krebsdiagnose, vor lauter Überinformation und Ratschlägen, die auf einen einprasseln, den Bezug zu sich selbst verliert und die eigene Stimme unter dem Gewirr der anderen unterzugehen droht, ist es für viele eine gute Möglichkeit, diese schreibend wiederzufinden. Andere finden sie auch bei oder nach meditativen Tätigkeiten, wie einem Spaziergang, sportlicher Aktivität, einem Puzzle oder beim Kochen und Backen.

 

Wie hilft Euch Kreativität?

Wie hilft Euch Kreativität in oder nach einer Krise? Sei es schreibend, schreiend, knipsend, tanzend, singend, malend oder in anderer Weise gestaltend – mit welchem Medium habt Ihr Euch ausgedrückt, vergegenwärtigt, verarbeitet oder auch einfach nur abgelenkt, entspannt und Freude gespürt? Wir freuen uns darüber, wenn Ihr uns an Euren Erfahrungen teilhaben lasst und andere damit inspiriert! Schreibt uns gern in die Kommentare oder ausführlicher an kreativ@leben-nach-krebs.de. Besonders freuen wir uns über Blogbeiträge, die wir auf unserer Webseite veröffentlichen können, auf Wunsch zu einhundert Prozent anonym, versteht sich. Unsere Themenreihe lebt vom Mitmachen. Seid dabei!

Auswahl von Kreativgruppen in Berlin

Auswahl von Kreativtherapeutischen Angeboten (in Berlin und bundesweit)

 

 

 

 

Ein Gedanke zu „Kreativität hilft in Krisensituationen – Euch auch?

  1. Ronald Puhle

    Kurz vor meiner Krebsdiagnose habe ich mir ein kleines Atelier eingerichtet. Darüber war ich im Nachhinein sehr froh. Während der Chemo bin ich jeden Tag ins Atelier gelaufen und war so unterwegs. Die kreative Arbeit selbst lief eher schleppend und es hat auch nach der Therapie Jahre gebraucht, bis ich wie gewohnt kreativ sein konnte. Egal in welcher Situation, ich habe dabei das Alleinsein immer genossen.

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